Über Online-Durchsuchungen
09.Sep.2007 - 06:14 Abgelegt in: Computerwelten | Tagesgeschehen
SPIEGEL ONLINE teilt heute in Sachen Antiterrorkampf mit, dass die "Mehrheit der Deutschen für Online-Durchsuchungen" ist.
(http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,504424,00.html)
Der Innenminister Bayerns, Günter Beckstein, wirbt für sie mit der Aussage, sie "wären gut geeignet und notwendig gewesen, um abzuchecken, wie weit dieses Netzwerk geht". Es ist schon eine faszinierende Idee, den persönlichen Computer eines Menschen auszuspähen, um an Informationen zu gelangen oder sich ein Bild über darüber zu verschaffen, was der Mensch hinter dem durchsuchten Kommunikationsgerät und Datenspeicher denken oder betreiben könnte. Dann merkt Beckstein an: "Weil die Täter das Internet benutzt hätten, sei das Fehlen einer rechtlichen Grundlage für solche Ausspähungen eine "Lücke" gewesen". Das ist deutlich. Dabei sollte man jedoch im Auge behalten, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl von Menschen, Firmen, Behörden, Interessen-Gruppen u.a.m. das gleiche Internet auch benutzen. Deren "Privatcomputer" könnten u.U. auch durchsucht werden.
(http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,504424,00.html)
Der Innenminister Bayerns, Günter Beckstein, wirbt für sie mit der Aussage, sie "wären gut geeignet und notwendig gewesen, um abzuchecken, wie weit dieses Netzwerk geht". Es ist schon eine faszinierende Idee, den persönlichen Computer eines Menschen auszuspähen, um an Informationen zu gelangen oder sich ein Bild über darüber zu verschaffen, was der Mensch hinter dem durchsuchten Kommunikationsgerät und Datenspeicher denken oder betreiben könnte. Dann merkt Beckstein an: "Weil die Täter das Internet benutzt hätten, sei das Fehlen einer rechtlichen Grundlage für solche Ausspähungen eine "Lücke" gewesen". Das ist deutlich. Dabei sollte man jedoch im Auge behalten, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl von Menschen, Firmen, Behörden, Interessen-Gruppen u.a.m. das gleiche Internet auch benutzen. Deren "Privatcomputer" könnten u.U. auch durchsucht werden.
"Die mutmaßlichen Terroristen seien sehr versiert im Abschütteln und Abwehren von Überwachungsmaßnahmen gewesen, sagte ein nicht namentlich genannter Beamter der Zeitung und sprach von "professionellem nachrichtendienstlichem Wissen"."
Das ist auch nichts Neues unter dem Himmel. Es wird sich auch nicht ändern.
Interessanter ist der Hinweis, "Die Mitglieder der Gruppe hätten beispielsweise ungeschütze W-Lan-Hotspots unbescholtener Bürger benutzt, um Internetverbindungen herzustellen." Warum?
Man wird nicht wirklich verhindern können, dass es ungeschützte Internetzugänge gibt und darf sich nicht wundern, wenn sie auch genutzt werden. Was aber kann demjenigen passieren, dessen Netzwerk (WLan) mehrmals durch Krimminelle oder Terroristen zur Kommunikation unerlaubt aber nicht ganz unbemerkt "benutzt" wurde?
Eine Online-Durchsuchung wäre fällig.
Hinter diesem modernen Begriff verbirgt sich das heimliche Ausspähen von "Daten": Dokumente unterschiedlichster Art, Bilder, Bücher, Filme/Videos, Landkarten, Lexika, Musikstücke, Programme, verschiedenste Schriftstücke (versehen mit Anmerkungen, Hinweisen oder Kommentaren), Spiele, Surfgewohnheiten u.v.a.m.
Mit diesen Daten werden praktischerweise weitergehende Informationen aufbewahrt. So kann es ja sehr hilfreich sein, mittels der Exif-Infos bspw. den Entstehungszeitpunkt eines Bildes zu wissen. Ein Fotofan nutzt zahlreiche dieser Infos. Die Inhalte von privaten Musiksammlungen verraten viel über den Sammler, seine Favoriten und seine Ordnung.
Würde jetzt mein Computer ausspäht, so könnte man mit Leichtigkeit feststellen, welche Texte ich im Hintergrund geöffnet habe und aus welchen Quellen sie stammen. Ebenso wäre sichtbar, was ich zu diesem Thema "gebunkert" habe. Die Indexdateien auf meinem Computer machen's möglich - würden sie abgestellt, wäre er eine kastrierte Rechenmaschine. Er sähe in das Treppenhaus und hätte gesehen, welche Wörter ich im Duden nachgeschlagen habe. Er hätte mitbekommen, dass ich eine Wetterinfo abgerufen habe und Regenradar angeschaut habe, er hätte aus den . Auch das "verbirgt" sich hinter dem Begriff Online-Durchsuchung.
Wer sich ein Bild machen will, muss herumsuchen, -schnüffeln, ausspähen. Zumindest die Computerwelt des Benutzers ist während dieses Vorgangs offengelegt. Das ist schon ein starker Eingriff in den persönlichen Bereich.
Auf einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Computern befinden sich aus gutem Grunde verschlüsselte Dateien. Das können Liebesbriefe, Produktionszahlen, Bilanzen, wichtige Notizen, Krankheitsberichte u.a.m. sein. Die Passwörter oder Schlüssel zum Öffnen dieser Dateien will ein Ermittler (ebenso wie ein Nachrichtendienstler, vulgo: Spion) ausspähen und sich ihrer bedienen. Genau an dieser Stelle beisst sich der Hund in den Schwanz. Damit kann man nur dumme Terroristen oder Kriminelle fangen. Ein schlauer Terrorist wird ebenso wie ein ebensolcher Nachrichtendienstler oder Ermittler Daten mit einem Computer verschlüsseln, dessen Türen zum Internet abgeschlossen sind. Auf ihm erstellte Dateien werden mit einem anderen Medium (bspw. USB-Speicher-Teil) auf den Kommunikationscomputer kopiert. Wenn sich Gotteskrieger auch als abgrundtief dumm erweisen, so heißt das ja keineswegs, dass sie mit modernen Kommunikationsmitteln nicht umgehen können oder deren Stärken und Schwächen nicht zu kennen. Dann hilft keine Online-Durchsuchung. D.h. dann in Anlehnung an den Innenminister, man wird sich trotz oder gerade wegen dieses (ersehnten) Gesetzes kein Bild machen können. Die Ermittler werden also in Sachen der Kommunikationsinhalte "blind" bleiben.
Das Schutzschild der Privatsphäre der überwiegenden Mehrheit hätte jedoch ein weiteres Loch bekommen.
Nachtrag 26.11.2007
http://www.freitag.de/2007/47/07471301.php
Dieser Artikel, der sich mit dem Thema "Überwachung" beschäftigt, zeigt auf, wie Ermittlungen Verdächtige schaffen. Der Fall selbst ging, wie dort angemerkt, durch die Presse.
Ich meine, es kann doch nicht sein, dass ein völlig normaler Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dazu führt, in ein Ermittlungs-Raster des BKA zu fallen, so dass jedes weitere Normalverhalten wie Handy nicht Ausschalten, nicht Einschalten, nicht Mitnehmen, schlichtweg vergessen oder nicht immer benutzt, weil es abgehört werden kann. Wenn man dann noch sachgerecht und überlegt mit den Postfächern, Emailadressen und Weiterleitungen umgeht, um bspw. unerwünschte Werbung so gut wie nicht zu bekommen, obwohl man immer Adressen hinterlässt, dann löst das schon Verschleierungsalarm aus. Ich fasse es nicht!
Muss ich jetzt damit rechnen online durchsucht zu werden? Hinter dieser Verschleierung verbirgt sich nämlich auch ein System. Der erste Baustein dazu ist ein gutes Mail-Programm mit einfachen Filter- und Zuordnungsmöglichkeiten. Der weitere Baustein ist Internet- bzw. Email-Account meines Providers. Wenn man nun etwas über das Adresssystem des E-Mail-Netzes und -dienstes weiß, und sich zusätzlich vielleicht Weggabelungen, Bahngleis-Weichen, einen Zweiwegeschalter von innen oder das Flip-Flop vorstellen kann, obendrein noch darüber nachsinnt, wie man eine private Mailadresse davor schützen kann zugemüllt zu werden und dennoch das Mailsystem problemlos zu nutzen will, dann muss man in der Tat tückisch denken. Da gibt's nur ein Entweder-Oder. Will man dem Datenchaos, die ein PC anrichten kann Herr werden, dann muss man ihm schon sein eigenes System unterjubeln. In der Tat muss man dabei auch mit dem Betriebs-System konspirieren. Je besser man das kann ...? Ähm, wird man dadurch ein Verdächtiger? Muss jetzt online-durchsucht werden? Was ist jetzt weiter wichtig - ausser Adressen und wenn möglich Passwörter?
Die Daten, richtig! Die sind wichtig!
Daten hinterlassen in meinem System Spuren. Das sollen sie auch.
Für wen? Für mich!
Nachtrag 08.02.2008:
Der Beitrag in SPIEGELONLINE "US-Zöller durchstöbern Laptops und Handys" gibt einen Einblick, wie heikel das Thema "Daten auf dem persönlichen Computer" ist.
Das ist auch nichts Neues unter dem Himmel. Es wird sich auch nicht ändern.
Interessanter ist der Hinweis, "Die Mitglieder der Gruppe hätten beispielsweise ungeschütze W-Lan-Hotspots unbescholtener Bürger benutzt, um Internetverbindungen herzustellen." Warum?
Man wird nicht wirklich verhindern können, dass es ungeschützte Internetzugänge gibt und darf sich nicht wundern, wenn sie auch genutzt werden. Was aber kann demjenigen passieren, dessen Netzwerk (WLan) mehrmals durch Krimminelle oder Terroristen zur Kommunikation unerlaubt aber nicht ganz unbemerkt "benutzt" wurde?
Eine Online-Durchsuchung wäre fällig.
Hinter diesem modernen Begriff verbirgt sich das heimliche Ausspähen von "Daten": Dokumente unterschiedlichster Art, Bilder, Bücher, Filme/Videos, Landkarten, Lexika, Musikstücke, Programme, verschiedenste Schriftstücke (versehen mit Anmerkungen, Hinweisen oder Kommentaren), Spiele, Surfgewohnheiten u.v.a.m.
Mit diesen Daten werden praktischerweise weitergehende Informationen aufbewahrt. So kann es ja sehr hilfreich sein, mittels der Exif-Infos bspw. den Entstehungszeitpunkt eines Bildes zu wissen. Ein Fotofan nutzt zahlreiche dieser Infos. Die Inhalte von privaten Musiksammlungen verraten viel über den Sammler, seine Favoriten und seine Ordnung.
Würde jetzt mein Computer ausspäht, so könnte man mit Leichtigkeit feststellen, welche Texte ich im Hintergrund geöffnet habe und aus welchen Quellen sie stammen. Ebenso wäre sichtbar, was ich zu diesem Thema "gebunkert" habe. Die Indexdateien auf meinem Computer machen's möglich - würden sie abgestellt, wäre er eine kastrierte Rechenmaschine. Er sähe in das Treppenhaus und hätte gesehen, welche Wörter ich im Duden nachgeschlagen habe. Er hätte mitbekommen, dass ich eine Wetterinfo abgerufen habe und Regenradar angeschaut habe, er hätte aus den . Auch das "verbirgt" sich hinter dem Begriff Online-Durchsuchung.
Wer sich ein Bild machen will, muss herumsuchen, -schnüffeln, ausspähen. Zumindest die Computerwelt des Benutzers ist während dieses Vorgangs offengelegt. Das ist schon ein starker Eingriff in den persönlichen Bereich.
Auf einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Computern befinden sich aus gutem Grunde verschlüsselte Dateien. Das können Liebesbriefe, Produktionszahlen, Bilanzen, wichtige Notizen, Krankheitsberichte u.a.m. sein. Die Passwörter oder Schlüssel zum Öffnen dieser Dateien will ein Ermittler (ebenso wie ein Nachrichtendienstler, vulgo: Spion) ausspähen und sich ihrer bedienen. Genau an dieser Stelle beisst sich der Hund in den Schwanz. Damit kann man nur dumme Terroristen oder Kriminelle fangen. Ein schlauer Terrorist wird ebenso wie ein ebensolcher Nachrichtendienstler oder Ermittler Daten mit einem Computer verschlüsseln, dessen Türen zum Internet abgeschlossen sind. Auf ihm erstellte Dateien werden mit einem anderen Medium (bspw. USB-Speicher-Teil) auf den Kommunikationscomputer kopiert. Wenn sich Gotteskrieger auch als abgrundtief dumm erweisen, so heißt das ja keineswegs, dass sie mit modernen Kommunikationsmitteln nicht umgehen können oder deren Stärken und Schwächen nicht zu kennen. Dann hilft keine Online-Durchsuchung. D.h. dann in Anlehnung an den Innenminister, man wird sich trotz oder gerade wegen dieses (ersehnten) Gesetzes kein Bild machen können. Die Ermittler werden also in Sachen der Kommunikationsinhalte "blind" bleiben.
Das Schutzschild der Privatsphäre der überwiegenden Mehrheit hätte jedoch ein weiteres Loch bekommen.
Nachtrag 26.11.2007
http://www.freitag.de/2007/47/07471301.php
Dieser Artikel, der sich mit dem Thema "Überwachung" beschäftigt, zeigt auf, wie Ermittlungen Verdächtige schaffen. Der Fall selbst ging, wie dort angemerkt, durch die Presse.
Ich meine, es kann doch nicht sein, dass ein völlig normaler Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dazu führt, in ein Ermittlungs-Raster des BKA zu fallen, so dass jedes weitere Normalverhalten wie Handy nicht Ausschalten, nicht Einschalten, nicht Mitnehmen, schlichtweg vergessen oder nicht immer benutzt, weil es abgehört werden kann. Wenn man dann noch sachgerecht und überlegt mit den Postfächern, Emailadressen und Weiterleitungen umgeht, um bspw. unerwünschte Werbung so gut wie nicht zu bekommen, obwohl man immer Adressen hinterlässt, dann löst das schon Verschleierungsalarm aus. Ich fasse es nicht!
Muss ich jetzt damit rechnen online durchsucht zu werden? Hinter dieser Verschleierung verbirgt sich nämlich auch ein System. Der erste Baustein dazu ist ein gutes Mail-Programm mit einfachen Filter- und Zuordnungsmöglichkeiten. Der weitere Baustein ist Internet- bzw. Email-Account meines Providers. Wenn man nun etwas über das Adresssystem des E-Mail-Netzes und -dienstes weiß, und sich zusätzlich vielleicht Weggabelungen, Bahngleis-Weichen, einen Zweiwegeschalter von innen oder das Flip-Flop vorstellen kann, obendrein noch darüber nachsinnt, wie man eine private Mailadresse davor schützen kann zugemüllt zu werden und dennoch das Mailsystem problemlos zu nutzen will, dann muss man in der Tat tückisch denken. Da gibt's nur ein Entweder-Oder. Will man dem Datenchaos, die ein PC anrichten kann Herr werden, dann muss man ihm schon sein eigenes System unterjubeln. In der Tat muss man dabei auch mit dem Betriebs-System konspirieren. Je besser man das kann ...? Ähm, wird man dadurch ein Verdächtiger? Muss jetzt online-durchsucht werden? Was ist jetzt weiter wichtig - ausser Adressen und wenn möglich Passwörter?
Die Daten, richtig! Die sind wichtig!
Daten hinterlassen in meinem System Spuren. Das sollen sie auch.
Für wen? Für mich!
Nachtrag 08.02.2008:
Der Beitrag in SPIEGELONLINE "US-Zöller durchstöbern Laptops und Handys" gibt einen Einblick, wie heikel das Thema "Daten auf dem persönlichen Computer" ist.