Die Geschichte vom kranken Stiefsohn

Es war einmal ein
reicher Geschäftsmann, der sich und seine Frau in
Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag
herrlich und in Freuden lebte. Vor der Tür des
Reichen aber lag sein kranker Sohn namens Joachim,
dessen Seele voller Qualen war. Er hätte gern seinen
Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen
herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten
an seinen Wunden.

Als nun der Kranke
starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß
getragen.
Auch der Reiche starb
und wurde begraben. In der Unterwelt, wo er qualvolle
Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem
Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er:
Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick meinen
Sohn Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze
seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge
kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du
schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten
hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er
dafür getröstet, du aber musst leiden. Außerdem ist
zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher
Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von
dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. Da
sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick
ihn in das Haus meiner Frau! Denn ich habe noch eine
Tochter. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an
diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber sagte: Sie
haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie
hören. Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn
einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie
umkehren. Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und
die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht
überzeugen lassen, wenn einer von den Toten
aufersteht.
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Dieser Bilderzyklus aus dem Codex Aureus
Epternacensis auf einer Seite:
