Joachim - ein Schicksal

Die folgende Geschichte ist aus dem Leben gegriffen. Sie erzählt aus dem Leben eines Menschen, der ungewollt gezeugt, von seiner Mutter gehasst und von seinem Vater verwöhnt wurde. Nun leidet er massiv an depressiven Zuständen. Er hat seine Lebenskraft verloren. Die einzige Bezugsperson, mit deren Hilfe vielleicht seine Arbeitsfähigkeit hergestellt werden kann, ist leider beratungsresistent und verweigert jedes Gespräch mit Dritten. Er ist so von sich und einem Gespräch zwischen Papi und Sohn überzeugt, dass er die Realität völlig aus den Augen verloren hat. Gespräche mit ihm enden - so die Erfahrung Joachims - in Schreiereien. Obendrein hat sich der Vater in die falsche Annahme verstrickt, es ginge nur um sein Geld. Da mag insofern ein Fünkchen Wahrheit drin versteckt sein, als er bisher die auftretenden Probleme mit Geld zu lösen suchte. Aber darum geht es in erster Linie nicht. Es geht um die Reparatur des Vater-Sohn-Verhältnisses.

Als Joachim Kochert (Namen geändert) zur Welt kam, konnte er noch nicht ahnen, was ihm alles bevorstehen würde. Sein Leidensweg begann in früher Kindheit, als seine Eltern merkten, dass sie nicht zueinander passten. Als Kleinkind bekam er die gewaltigen Auseinandersetzungen seiner Eltern mit, die schließlich in der Scheidung endeten. Seine Mutter liebte Joachim nicht; sie gab ihm von Anfang an die Schuld an ihrer Lebenssituation als alleinerziehende Mutter, die sich gegen den Kindesvater, einen autoritären und impulsiven Unternehmertypen, mit allerlei Rosenkriegsgefechten durchzusetzen suchte. Dem Kind Joachim sollte es jedenfalls gut gehen. Er sollte später auch ein erfolgreicher Geschäftsmann werden, so wie es sein Vater und seine Vorväter waren.

Das Kind zog sich zurück. Zuerst von der Mutter, deren Abneigung er immer zu spüren bekam, dann, in der Zeit der Pubertät, auch vom Vater. Dass Joachim einen Schaden genommen hatte, zeigte sich das erste Mal am Anfang seiner Schulzeit. Er hatte Lernschwierigkeiten, konnte sich nicht konzentrieren, log und wurde gegenüber Mitschülern gewalttätig. Die Situation eskalierte. Er wurde Ärzten und Psychologen vorgestellt. Diese diagnostizierten ADHS und eine leichte Depression. Es wurden Medikamente (Ritalin) und der Besuch einer Sonderschule empfohlen. Die Mutter wäre dadurch den Störfaktor ihres Lebens losgeworden. Aber sie hatte die Rechnung ohne den Vater gemacht. Der setzte sich auf dem Rechtswege gegen diese Entscheidungen durch. Joachim besuchte also weiterhin eine „normale“ Schule, und von dort gab es auch keine weiteren Klagen. Die Mutter bekochte ihren Sohn und achtete darauf, dass er anständig gekleidet war. Nach aussen war also alles in Ordnung. Joachim „funktionierte“. Der Vater war seine einzige Bezugsperson, und ihn liebte er auch.

Der Vater hatte sich das Umgangsrecht für seinen Sohn erkämpft. Samstags traf er sich mit ihm. Er bot dem Jungen alles, was ein Reicher zu bieten hat: Geld, Geschenke und tolle Urlaubsreisen. Materiell mangelte es dem Jungen an nichts. Als Gegenleistung verschwieg dieser ihm die Hölle, die er bei seiner Mutter durchlebte. Er hatte sich auf seine Weise auf die Situation eingestellt. Wenn er aus der Schule nach Hause kam, zog er sich in sein Zimmer zurück und war nicht mehr ansprechbar. Er lebte nur auf den Samstag hin. Die wenigen Stunden, die er dann mit seinem Vater verbringen durfte, waren der Lichtblick seines Lebens, für den es sich lohnte zu leben.

Dies alles änderte sich, als Joachim in die Pubertät kam und seine Welt nicht mehr so rosig sah wie vorher. Jetzt lief alles aus dem Ruder und die ersten Streitereien mit seinem Vater kamen auf. Dieser reagierte auf seine autoritäre und impulsive Art und Weise. Kontroverse Gespräche über tatsächliche und z.T. auch gravierende Probleme endeten in Schreiereien. „Geregelt“ wurden Probleme - so es möglich war - mit materiellen Gütern und Geld. Dann heiratete der Vater erneut und gründete eine Familie. So bekam Joachim auch eine Stiefmutter. Diese sorgte sich natürlich um ihren eigenen Nachwuchs, und so wurden ihr die Geldzahlungen des Vaters an den Sohn zum Dorn im Auge.

Was zwischenzeitlich keinem so richtig auffiel, war, dass bei Joachim erneut eine Depression ausbrach. Er wurde zunehmend arbeitsunfähiger, und erst zu diesem Zeitpunkt schrillten beim Vater die Alarmglocken. Aber da es bei ihm keine psychischen Krankheiten zu geben hat und Depressionen mit intensiver Arbeit, die Geld einbringt, und Sport vorübergehen, verlangte er von seinem Sohn die Wiederaufnahme der Arbeit. Dass sein Sohn dazu nicht in der Lage ist, ignoriert er. Ansonsten vertritt er die Meinung, dass es eben invalide und arbeitsunfähige Menschen gibt, und dass man daran nichts machen kann. Sein Sohn möge zum Sozialamt gehen. Vernünftige Gespräche zur Konflikt- und Problemlösung lehnt er ab.

Kommentar:
Ja, lieber Vater Eduard, invalide und arbeitsunfähige Menschen gab und gibt es in der Tat. Es ist auch richtig, dass sich Sozialämter um sie kümmern werden, wenn sich die eigentlich Verursacher und Verantwortlichen von Ihnen abwenden. Diese Hilfe durch die Gesellschaft ist auch gut. Nicht gut ist jedoch Ihre Einstellung zum Ganzen. Es geht in erster Linie überhaupt nicht um Geld! Dieser Problemlöser hat seine eigentliche Wirkung schon lange verloren. Dass Sie dies trotz mehrfacher Hinweise nicht begreifen können oder wollen, hat schon ein besonderes Geschmäckle. Wann setzen Sie sich endlich mit Fachleuten an einen Tisch um einen Plan zu entwerfen, wie Ihrem Sohn wirksam geholfen werden kann? „Geld“ ist dabei der geringste Faktor. - Allerdings ist nicht einsehbar, dass die Gesellschaft für das einstehen muss, was Sie mitverursacht haben. ( Dö )

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